Motorbootschulung

Das Boot
Bei einem Boot mit linksdrehender Schraube schwingt das Heck bei "Achteraus" nach Steuerbord, bei rechtsdrehender umgekehrt: nach Backbord.
Das Boot hat eine Ein-Hebel-Schaltung, mit der man sowohl mit einer leichten Bewegung lediglich einkuppeln kann als auch mehr Fahrt zu bestimmen, indem der Hebel deutlich bewegt wird:
• Ausgangsposition Mitte (Markierung): neutral & ausgekuppelt
• Hebel nach oben/vorn: Einkuppeln voraus und Gas geben.
• Hebel nach unten/zurück: Einkuppeln achteraus und Gas geben.
• Zudem gibt es häufig einen Knopf am Hebel zum Ziehen oder Drücken, um die Leerlaufdrehzahl des Motors zu erhöhen, ohne das eingekuppelt wird. Dies ist im Allgemeinen nur notwendig, falls der Motor für andere Aufgaben benötigt wird (z.B. die elektrische Ankerwinde).

Die Prüfungsmanöver
Das Ablegen

  1. Das Manöver wird gefahren als "Eindampfen in die Vorspring". Falls noch nicht vorhanden: Vorspring legen! (ca. 1 Schiffslänge!!!)
  2. Kontrolle, ob das Fahrwasser frei ist (Blick nach hinten nicht vergessen!)
  3. Ruderlage zum Steg hin (Steuerrad zum Steg drehen)
  4. Kommando: " Leinen los bis auf Vorspring!" und zugleich Gashebel auf langsame Fahrt voraus, also erste Raste voraus oder ein ganz klein wenig mehr.
  5. Das Heck schwingt vom Steg weg ins freie Fahrwasser.
  6. Warten! Ruhig warten, bis das Boot um ca. 45° vom Steg weggedreht ist. Die Vorspring wird dabei nicht gefiert, sondern festgehalten.
  7. Gashebel auf "neutral"
  8. Gashebel auf "achteraus", dann Kommando: "Vorspring los!" Dabei nach hinten schauen.
  9. Das Boot fährt rückwärts ins Fahrwasser. Das Ruder bleibt während des gesamten Ablegemanövers ganz zum Steg hin eingeschlagen (mit zunehmender Fahrt wird eine Kurve zum Steg hin beschrieben)! Ist der Liegeplatz hinter dem Boot besetzt, wird natürlich mit Ruder mittschiffs rückwärtsgefahren.
  10. Warten! Ruhig warten, bis das Boot gut frei ist (etwa parallel zum Steg)
  11. Gashebel auf "neutral"
  12. Ruderlage entsprechend der Fahrtrichtung
  13. Gashebel auf "voraus". Ggf. heftig aber nur ganz kurz Gas geben, um Ruderwirkung zu haben (ansonsten wird in der Prüfung nur mit minimalem Gas gefahren!) Jetzt fährt das Schiff.
    NB: Bei stark auflandigem Wind ist es ggf. günstiger, das Manöver "Eindampfen in die Achterspring" zu fahren (Achterspring legen, Ruderlage zum Steg hin, langsame Fahrt achteraus bis Bug weit genug vom Steg weg geschwungen ist, Gashebel neutral, Ruderlage entsprechend der gewünschten Fahrtrichtung, Gashebel auf Fahrt voraus)

Das Anlegen
Der ideale Winkel, ein Boot an den Steg zu manövrieren, liegt bei 30-45°; Wind- und Stromeinflüsse können es jedoch erforderlich werden lassen, einen erheblich spitzeren bzw. stumpferen Winkel (zwischen 5° bei ablandigem Wind und 80° bei auflandigem Wind) zu wählen.
Jedes Boot hat zum Anlegen eine Schokoladenseite: Bei linksdrehender Schraube: Stb (Radeffekt!). Grundsätzlich wird jedoch gegen den Wind, noch grundsätzlicher gegen den Strom angelegt!

  1. Am Steg einen Zielpunkt wählen (hier wird das Heck liegen!), diesen Zielpunkt im einmal gewählten Anlaufwinkel - ganz ruhig und langsam! - ansteuern. Währenddessen hält ein Crewmitglied einen Fender am Bug sinnig über Bord, ein weiteres legt eine Vorspring klar und macht sich zum Ausstieg am Steg bereit.
  2. Gas wegnehmen
  3. Der Zielpunkt ist angesteuert, jetzt keine Ruderbewegung mehr machen: ohnehin kaum Ruderwirkung; im Leerlauf wird das Ruder kaum angeströmt!
  4. Regulierung der Anlaufgeschwindigkeit über den Gashebel nur in kurzen Schüben! Nur wenn das Boot vielvielvieviel zu schnell ist: kräftig Gas achteraus.
  5. Bevor der Bug den Steg berührt, ist der Gashebel auf Neutral.
  6. An dieser Stelle empfiehlt es sich, eine lange (!) Vorspring zu legen (um einen Poller - nicht aus der Hand!) und mit ganz wenig Gas voraus (1. Raste) "in die Vorspring einzudampfen":
  7. Ruder legen weg vom Steg (Steuerrad weg vom Steg drehen, genau umgekehrt wie beim Ablegen also!)
  8. Nur falls nötig: Gashebel auf "voraus" (mit Gefühl!) um das Heck an den Steg schwingen zu lassen oder auf achteraus, um das Boot abzustoppen. Ggf. den 'Radeffekt ' ausnutzen!
  9. Kommando "Leinen fest!"

Kursgerechtes Aufstoppen

  1. Gradeausfahrt
  2. Auskuppeln
  3. Ruder eine halbe Umdrehung Bb oder Stb, (je nach Drehrichtung [Radeffekt] der Schraube
  4. Hebel auf „Achteraus“, bis das Boot steht. Dabei zur Seite schauen, um festzustellen, ob das Boot wirklich bereits steht oder doch noch langsame Fahrt hat.

Boje über Bord
Auf Geheiß wird eine Boje, Fender o.ä. über die Bordwand gehalten und losgelassen. (Nicht geworfen oder geschleudert oder so!) Dazu laut das Kommando: "Boje über Bord an Backbord" bzw. ggf. "Boje über Bord an Steuerbord".

  1. Der Rudergänger wiederholt laut das gehörte Kommando.
  2. Gas wegnehmen: Gashebel auf Stellung ausgekuppelt und ggf. sichern
  3. Gleichzeitig mit dem Gaswegnehmen wird das Steuerrad deutlich zu der Seite gedreht, die in o.a. Kommando genannt wurde. (Ganz ruhig, nicht hektisch am Rad drehen oder gar reißen!)
  4. Blickkontakt zur Boje aufnehmen oder Ausguck bestimmen.
  5. Kommando: "Boje in Sicht!"
  6. Kontrollieren, ob das Heck auch gut frei ist von der Boje
  7. Gashebel auf Voraus (ggf. Sicherungsknopf nicht vergessen!)
  8. Eine nicht zu enge Kurve auf die Boje zu einleiten
    NB: Die Kurve muss nur eines sein: nicht zu eng! Dabei spielt es gar keine Rolle, ob mit dem Wind oder gegen den Wind, oder über Backbord oder über Steuerbord oder als Kreis oder als Acht oder von vorne auf die Boje zu oder von hinten: Bei der Prüfung ist in dieser Hinsicht alles erlaubt! Leichter gelingt das Ansteuern allerdings gegen den Wind (Analog dem Aufschießer beim Segeln). Nur: Auf keinen Fall dürfen andere Verkehrsteilnehmer behindert werden! D.h.: Während Ihr Euch nach der Boje umschaut, beobachtet die Verkehrslage! Und: Zieht die Kurve nicht zu sehr auf das Ufer zu!!
    NB: noch wichtiger: Anders als bei der SBF-Prüfung muss bei der SKS-Prüfung unbedingt gegen den Wind angefahren werden. (Das ist ja auch richtig so...)
  9. Sobald die Boje recht voraus ist: Ruder mittschiffs.
  10. Nochmals ringsherum die Verkehrslage beobachten
  11. Geradeaus auf die Boje zufahren
  12. Kühlen Kopf bewahren
  13. Kommando: "Boje voraus!"
  14. Jetzt entscheiden, an welcher Seite die Boje aufgenommen wird, die Wahl ist grundsätzlich frei. Weiterhin auf den Verkehr und das Ufer achten. Bei Segelbooten (SKS-Prüfung) empfiehlt sich generell ein Aufnehmen an Lee. Zum leichteren Aufnehmen der Boje eignet sich ein Bootshaken.
  15. Kommando: "Aufnehmen an Bb!" bzw. "Aufnehmen an Stb!"
  16. Das Boot fährt immer noch geradeaus auf die Boje zu.
  17. Warten, bis die Boje in den "toten Winkel" gerät, bis sie also nicht mehr zu sehen ist.
  18. Gas wegnehmen auf neutral (eventuell sichern).
  19. Ruder legen: Steuerrad nach Backbord, wenn aufnehmen an Steuerbord angesagt war; Steuerrad nach Steuerbord, wenn Aufnehmen an Backbord angesagt war.
  20. Warten. Jetzt kann gar nichts mehr korrigiert werden. Warten bis der erlösende Ruf "Boje gefasst!" ertönt oder bis das Boot wieder gut frei ist von der Boje. In diesem betrüblichen Falle: Ruhe bewahren! Kommando: "Neues Manöver!" und den Ablauf bis zum Erfolg wiederholen.
    Was auf gar keinen Fall in der Prüfung passieren darf: Die Schraube darf sich nicht drehen, wenn sich das Heck in der Nähe der Boje befindet! Also beim Kommando "Boje über Bord" und beim Annähern zum Auffischen der Boje muss - muss wirklich! - der Gashebel auf neutral stehen (ggf. sogar gesichert).

Fahren nach Kompass
Regelrecht nach Kompass gefahren wird in der SBF-Prüfung selten; in der Regel werden lediglich einige Verständnisfragen gestellt. Zur Beantwortung dieser Fragen ist es wichtig, dass Sie sich die Quadranten-Einteilung der Kompassrose vergegenwärtigen! Üben Sie das Bezeichnen und Benennen und In-Zahlen-Ausdrücken von Richtungen!
Frage: Welcher Kurs liegt an?
Ablesen des Steuerstrichs und Nennen des abgelesenen Kurses
Frage: Wie lautet der Gegenkurs zum anliegenden Kurs?
Rechnen Sie zuerst im Kopf den Gegenkurs aus:
• Liegt ein Kurs an größer als 180°: von der abgelesenen Zahl 180 subtrahieren
• Liegt ein Kurs kleiner als 180° an: zu der abgelesenen Zahl 180 addieren
Dann verkünden Sie das Ergebnis.
Frage: Wozu braucht man die Kenntnis des Gegenkurses?
Um bei Nacht oder bei unsichtigem Wetter zu einer passierten Position (z.B. Mann über Bord) zurückzufinden.
Frage: Es liegt an Kurs 'A'; bei Kursänderung nach Kurs 'B' geht der kürzere Drehkreis über Stb oder über Bb?
Sie rufen vor Ihrem geistigen Auge die Kompassrose mit ihren Quadranten ab, treffen Ihre Entscheidung und verkünden dieselbe. Für eine zügige Antwort können Sie sich „links ist Minus, rechts ist Plus“ merken, d.h., bei einer Kursänderung nach Bb geht die auf dem Kompass angezeigte Gradzahl zurück und umgekehrt.

ZUSATZAUFGABE: FRAGE NACH DEN SCHALLSIGNALEN
Garantiert werden die Manöver Schallsignale abgefragt. Zu 100%!!
Ein kurzer Ton meint Kursänderung nach Steuerbord.
Zwei kurze Töne meint Kursänderung nach Backbord.
Drei kurze Töne meint Maschine läuft rückwärts (Bremsen).

Zuletzt aktualisiert: 2026-04-27 17:29 CEST
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